Kurz gesagt: Leerstand löst niemand allein. Es braucht das Zusammenspiel von Kommune, Eigentümern, Bürgern und Fachleuten. Jeder hat eine andere Rolle und ein anderes Interesse.
Die Kommune: Dirigentin, aber nicht Alleinherrscherin
Die Gemeinde hat viele Rollen zugleich: Sie plant, fördert, geht mit gutem Beispiel voran (etwa mit eigenen Gebäuden), moderiert und setzt Recht durch. Ihr großes Problem: Das Thema betrifft viele Ämter gleichzeitig (Bau, Wirtschaft, Kultur, Finanzen). Und oft fehlt schlicht das Personal.
Die Lösung heißt „Kümmerer": eine feste Person oder Stelle, die sich dauerhaft ums Thema Leerstand kümmert. Als Ansprechpartner für Eigentümer, Ideengeber und Antreiber. Fast alle erfolgreichen Beispiele haben so jemanden.
Die Eigentümer: der entscheidende Schlüssel
Ohne die Eigentümer geht nichts. Ihnen gehören die Häuser. Aber Eigentümer sind sehr verschieden: Manche wollen, können aber nicht (kein Geld, kein Wissen). Manche könnten, wollen aber nicht (warten auf höhere Preise, kein Interesse). Manche sind gar nicht erreichbar (zerstrittene Erben, weit weg wohnend).
Der wirksamste Ansatz: freundlicher Druck und Anreiz kombinieren. Zuerst das Gespräch und die Hilfe anbieten, erst als letztes Mittel die harten rechtlichen Werkzeuge.
Eigentümer ansprechen: beraten statt zwingen
Der erste Schritt ist fast immer das persönliche Gespräch. Viele Eigentümer wissen gar nicht, welche Möglichkeiten (und Fördermittel) es gibt. Eine Stufenleiter hat sich bewährt: informieren, beraten, vermitteln (etwa einen Nutzer finden), Anreize bieten, und erst ganz zuletzt rechtlichen Druck aufbauen. Genau hier setzt auch die Idee eines Vermittlungs-Marktplatzes an, der Leerstand und Nutzungsinteressenten zusammenbringt.
Die Bürger: mehr als Zuschauer
Bürgerinnen und Bürger sind eine echte Kraft: als Vereine, Genossenschaften oder Freiwillige, die einen Dorfladen, ein Café oder einen Treffpunkt selbst tragen. Beteiligung ist zudem oft Pflicht und sie ist eine Ressource: Wer die Menschen einbindet, bekommt bessere Lösungen und mehr Rückhalt. Grenzen gibt es aber auch. Ehrenamtliches Engagement braucht Unterstützung und darf nicht überfordert werden.
Die Fachleute: Vermittler und Dienstleister
Zwischen allen stehen Intermediäre und Dienstleister: Citymanager, Sanierungsträger, Planungsbüros, Wirtschaftsförderung, Kammern. Sie bringen Fachwissen, Zeit und Neutralität ein. Oft das entscheidende Bindeglied, damit aus Absicht Umsetzung wird.
Glossar
- Kümmerer: feste Person oder Stelle, die sich dauerhaft um Leerstand und Ortskern kümmert.
- Intermediäre: vermittelnde Fachleute zwischen Kommune, Eigentümern und Bürgern.
- Sanierungsträger: Fachorganisation, die im Auftrag der Gemeinde ein Gebiet entwickelt.
- Bürgerbeteiligung: das Einbinden der Menschen vor Ort. Oft Pflicht, immer Ressource.