Kurz gesagt: Deutschland ist mit dem Thema nicht allein. Andere Länder und die eigene Geschichte zeigen, was hilft und was nicht. Übertragbar ist dabei das Prinzip, nicht das fertige Rezept.
Was die eigene Geschichte lehrt
Deutschland hat den großen Leerstand nach der Wiedervereinigung erlebt. Vor allem in Ostdeutschland. Die Lehre aus dem Programm „Stadtumbau": Reiner Abriss bekämpft nur das Symptom. Der Kurs hat sich gedreht, hin zu Erhalt, Umbau und Aufwertung.
Japan: die alternde Gesellschaft
Japan ist uns demografisch voraus: Millionen leerstehende Häuser („akiya") vor allem auf dem Land. Die japanische Antwort sind unter anderem „akiya banks". Kommunale Vermittlungsplattformen, die leere Häuser an Interessenten bringen. Das ähnelt genau der Idee eines Leerstand-Marktplatzes.
USA: Land Banks
In schrumpfenden US-Städten (etwa Detroit) übernehmen „Land Banks" verwahrloste, steuerschuldige Immobilien, ordnen sie und geben sie sinnvoll weiter. Ähnlich einem kommunalen Bodenfonds.
Frankreich, Großbritannien, Niederlande: mehr Druck
- Frankreich hat mit „Action Cœur de Ville" ein großes Programm zur Wiederbelebung mittlerer Städte, zentral gesteuert. Zusätzlich gibt es eine Leerstandssteuer.
- Großbritannien verlangt einen Steuerzuschlag auf lange leerstehende Wohnungen und kann sie im Extremfall in Zwangsverwaltung nehmen.
- Die Niederlande erleichtern die befristete Vermietung leerer Gebäude und haben das System der günstigen Zwischennutzung („anti-kraak") groß gemacht.
Was man daraus mitnimmt, und was nicht
Diese Instrumente sind spannend, aber nicht eins zu eins übertragbar. Deutschland ist föderal (die Länder entscheiden viel mit), und das Eigentum ist grundgesetzlich stark geschützt. Eine Leerstandssteuer auf Wohnraum etwa ist hierzulande rechtlich umstritten. Übertragbar ist das Prinzip, nicht das Gesetz.
Glossar
- akiya bank: japanische kommunale Vermittlungsstelle für leere Häuser.
- Land Bank: US-Einrichtung, die verwahrloste Immobilien übernimmt und weitergibt.
- Leerstandssteuer: Abgabe auf leerstehenden Wohnraum (im Ausland verbreitet, in DE umstritten).
- anti-kraak: niederländisches Modell der günstigen Zwischennutzung.