Kurz gesagt: Überall in Deutschland gibt es Orte, die den Leerstand gedreht haben. Von ihnen lässt sich lernen. Aber nicht durch stures Kopieren, sondern indem man das Prinzip dahinter versteht.
Erst das Prinzip, dann das Beispiel
Ein gutes Beispiel ist kein Rezept zum Nachkochen. Was in einem Ort klappt, kann im nächsten scheitern. Andere Größe, andere Lage, andere Leute. Man lernt richtig, wenn man fragt: Warum hat das funktioniert? Und passt dieser Grund auch zu uns?
Die immer wiederkehrenden Erfolgsfaktoren
Über fast alle gelungenen Beispiele hinweg zeigen sich dieselben Muster:
- Es gibt einen Kümmerer, eine treibende Person oder Stelle.
- Es gibt ein Konzept, keine Einzelaktion.
- Die Menschen vor Ort sind eingebunden.
- Mehrere Fördertöpfe werden kombiniert.
- Und man hat Geduld. Erfolge brauchen Jahre.
Beispiel: der Bürger-Dorfladen
Wenn der letzte Laden im Dorf schließt, gründen Bürger ihn oft selbst neu. Als Genossenschaft oder Verein, häufig in einer Immobilie der Gemeinde. Solche Bürger-Dorfläden (es gibt viele belegte Beispiele in Niedersachsen und anderswo) sichern die Nahversorgung und werden zum Treffpunkt. Erfolgsrezept: bürgerschaftliches Engagement plus etwas öffentliche Unterstützung.
Beispiel: „Dritte Orte" und Kultur
Nordrhein-Westfalen fördert mit dem Programm „Dritte Orte" gezielt Kulturorte im ländlichen Raum. Oft in umgenutzten leeren Gebäuden. Sie zeigen, wie aus Leerstand ein lebendiger Gemeinschaftsort wird.
Beispiel: Zwischennutzung als Motor
Modelle wie die Leipziger „Wächterhäuser" haben vorgemacht, wie befristete Nutzung leerstehende Altbauten vor dem Verfall rettet. Und oft zur Dauerlösung wird.
Beispiel: das umgebaute Kaufhaus
Mehrere Städte haben ehemalige Warenhäuser erfolgreich in einen Mix aus Bildung, Verwaltung, Wohnen und Handel verwandelt. Der Beweis, dass selbst die größten Sorgenkinder eine Zukunft haben.
Glossar
- Best Practice: ein belegtes, gelungenes Beispiel, von dem man das Prinzip lernen kann.
- Bürger-Dorfladen: von Bürgern getragene Nahversorgung, oft in einer Gemeinde-Immobilie.
- Dritter Ort: Treffpunkt jenseits von Wohnen und Arbeiten.
- Wächterhaus: leerstehendes Haus, das durch befristete Nutzung erhalten wird.